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Buffy
UK Magazine - September 2002 - Translation
Es ist erst wenige Monate her, dass wir zum letzten Mal mit James Marsters
gesprochen haben, aber während dieser Zeit gab es für seinen beliebten
Charakter Spike einige ziemlich radikale Veränderungen in der Serie. Wir
wollen herausfinden, was passiert ist.
Rückblick: Juli 2001. Die Dreharbeiten für die sechste Staffel von
"Buffy" haben eben begonnen. James Marsters sagt, dass er keine
Ahnung hat, was mit seinem liebeskranken Vampir Spike passieren wird, jetzt
da die Jägerin von den Toten zurückgekehrt ist. Aber bei einer Sache ist
er sich völlig sicher: "Ob ich glaube, das Buffy Spikes Zuneigung
jemals erwidern wird? Nein, ich denke er stößt sie ab. Ich denke ich stehe
einfach weit unter ihr."
Gegenwart. Was ist jetzt mit diesem Zitat...?
"Junge, Junge, das waren berühmte letzte Worte," lacht James.
"Wow ist alles was ich sagen kann."
"Wow" beschreibt die Storyline von Spike in der sechsten Staffel
ziemlich gut. An einigen Punkten war er tatsächlich weit unter Buffy - im
wahrsten Sinne des Wortes - nämlich während ihrer turbulenten Affäre.
Nachdem Buffy die Affäre beendet, indem sie darauf beharrt, dass sie
niemanden lieben kann, der keine Seele besitzt, entsetzt Spike Buffy und
sich selbst gleichermaßen, indem er der Jägerin seine Liebe mit Gewalt
aufzwingen will. Voller Reue und Selbstzweifel, geht Spike schließlich nach
Afrika, wo er erst in einen Kampf auf Leben und Tot verwickelt wird, der
letztendlich - und das sehen wir erst in den letzten Szenen des
Staffel-Finales - dazu führt, dass Spike seine Seele zurückerhält.
Nach all dem, fragt James bitte nicht, wohin die Sache mit Spike jetzt führt.
Fragt ihn nicht einmal, was er sich wünscht, dass mit Spike passieren soll.
"Was ich mir für den Charakter wünsche, hat rein gar nichts damit zu
tun, was passieren wird. Und Gott sei Dank ist das so, denn auf diese Art
und Weise ist das Ganze sehr viel interessanter. Wisst ihr, ich habe
inzwischen aufgegeben, mir zu überlegen, was ich möchte. Das, was ich mir
wünsche, ist im Normalfall sehr viel weniger interessant, als das, was
passiert. Ich habe das schon vor etwa drei Jahren gelernt. Ich wollte das,
was - wie ich später herausfand - wohl jeder Schauspieler für seine Figur
will, nämlich Typen verprügeln und Mädels knutschen. Wenn ein
Schauspieler bestimmte Wünsche für die nächste Staffel hat, wird er im
Endeffekt immer alles darauf übertragen. Er wird dir zwar all diese tollen
Storylines liefern, mit all den Nebenhandlungen, aber worauf es dann
letztendlich immer nur hinausläuft ist, dass er mit Mädels knutscht und
Typen verprügelt. Aber das ist einfach nicht aufregend genug. Marti wird
dafür bezahlt, dass sie sich weitaus spannendere Handlungen ausdenkt. Die
Charaktere werden vorangetrieben. Egal an welchen Charakter in der Serie du
denkst, keiner von ihnen macht zwei Staffeln hintereinander dieselben
Erfahrungen. Sie gehen jedes Jahr völlig neue Wege. Zumindest für mich war
es einfach unmöglich, mich zu langweilen. Ich fühle mich - das habe ich
auch schon zu Joss gesagt, daher habt ihr das vielleicht schonmal gehört -
wie auf einer Achterbahn, bei der der erste Fall sehr erschreckend ist, und
du schreist, aber mitten während der Fahrt, wirfst du den Kopf zurück,
lachst, und machst dir keine Sorgen mehr wohin das ganze führt. Du hast
einfach nur Spaß."
Okay, vielleicht gibt es da doch einen Aspekt von Spike, den er noch einmal
erleben möchte: "Ich würde so gerne nochmal böse sein," gibt
James zu. "Ich würde so gerne diese berauschende Wirkung von Gewalt
nochmal verspüren."
Nicht, dass die Gewalt so völlig verschwunden wäre - egal ob böse oder
gut, Spike wäre nicht Spike, wenn es da nicht ab und an eine Schlägerei gäbe.
Wieviel davon ist auch ein Teil von James? "Nun ja, is ist eigentlich
genau so wie bei allem anderen auch. Die Kämpfe und die eigentlichen
Bewegungen, das bin schon ich. Aber was das Gegen-die-Wand-Klatschen
betrifft, das macht alles mein Stunt-Double Steve Tartalia. Er ist einfach
cool; er verdient soviel Lob. Er übertrifft sich ständig selbst."
Auf jeden Fall sehen wir in Buffy/Spike-Kampf-Szenen dann doch öfter James
und Sarah Michelle Gellar miteinander kämpfen, als ihre Stunt Doubles.
"Normalerweise erlauben sie nicht, dass Schauspieler gegen Schauspieler
kämpfen," erklärt James, "aber Sarah und ich haben uns jetzt so
viele Jahre nicht verletzt, dass sie uns vertrauen. Wir berühren uns
nichtmal. Aber ich denke, dass ich ein bisschen näher an sie herankomme,
als die Stunt-Jungs. Sie geben uns immer so viel Abstand bei ihren
Bewegungen," erzählt er, und zeigt mit seinen Händen den Abstand.
"Und ich gebe nur soviel. Sie haben mit uns auch schon darüber
gesprochen - 'Du kommst etwas nahe an Sarah heran, James.' Aber ich sagte
einfach nur, 'Das ist eben mein Abstand. Das ist instinktiv - das ist so,
wie ich es mache."
Trotz seiner über 100 Jahre glaubt James, dass Spike noch immer nicht
wirklich erwachsen ist. "Er trägt sein Herz in der Hand. Er ist sehr
unreif für einen Vampir, ehrlich. Er ist wirklich der kindischste Vampir,
den ich mir nur vorstellen kann. Die meisten von ihnen, hätten inzwischen
sicherlich schon eine Art Perspektive, aber im Vergleich zu ihm wirken sie
alt." Er imitiert die Bariton-Stimme von Christopher Lee um einige
Vampir-Weisheiten loszuwerden: "'Ich kenne das schon seit Jahren, ich
habe das alles schon erlebt, Buffy.' Spike ist ganz und gar nicht so,"
lacht James. "Er hat den Reifegrad eines Siebzehnjährigen!"
Bis vor kurzem trug Spike immer den Mantel, den er von Nikki, der letzten Jägerin,
die er getötet hatte, gestohlen hat. Es gab viele Theorien darüber,
weshalb Spike seinen Lieblingsmantel auf Buffys Treppengeländer zurückließ
- war es Hast oder war es Symbolismus? Wahrscheinlich wird Spike den Mantel
mehr vermissen als James. "Da klebt so viel KY (Flüssig-Gummi) auf dem
Mantel," lacht er. "Sie benutzen das Zeug für die Dämonen - sie
reiben das KY auf die ganzen Prothesen, um sie zum Glänzen zu bringen, und
da ich mich immer mit diesen Dämonen prügle, denke ich mir nur, 'Oh mein
Gott, diese Jacke ist so eklig.' Ja, ich wäre wirklich froh über ein neues
Kostüm."
Vor nicht allzu langer Zeit wurde Spike durch eine eigenen Action Figur
unsterblich gemacht. James macht sich Gedanken, über die Vor- und
Nachteile, eine Puppe zu haben, die nach dem eigenen Abbild geschaffen
wurde: "Aufgrund der Tatsache, dass er so viele Waffen dabeihat, wünscht
man sich natürlich, dass er sie auch selbständig halten könnte," grübelt
er. "Die zwei Dinge, die ich an Action Figuren schon immer mochte - und
ich mag Action Figuren wirklich - sind, dass sie gut stehen können und dass
sie die Fähigkeit haben, sich an Dingen festzuhalten - das sind zwei
Eigenschaften, bei denen mein Charakter jämmerlich versagt. Ich schaffe es
einfach nicht, meine Action Figur zum Stehen zu kriegen. Es ist unmöglich.
Aber es ist toll, überhaupt eine Action Figur zu haben. Sie sieht mir sehr
ähnlich, da sie ein computer-generiert Duplikat meines Gesichtes ist, daher
stimmt alles perfekt - es ist einfach supercool. Ich liebe es eine Action
Figur zu haben. Aber nächstes Mal will ich eine mit einem besseren
Griff!"
Im wirklichen Leben, wenn er nicht gerade schauspielt, greift James oft zur
Gitarre, indem er als Frontman bei der fünfköpfigen Rock-Band "Ghost
Of The Robot" mitspielt. Ihr Debut-Album, welches vorläufig "Mad
Brilliant" betitelt wurde, wird noch in diesem Jahr erscheinen im Zuge
von Live Auftritten in Los Angeles und Paris.
James Pläne für die nähere Zukunft beinhalten außerdem, einen weiteren
Auftritt bei "Andromeda", in seiner Gastrolle als manipulierender
Erzherzog Charlemagne Bolivar. Dieser Charakter wurde durch James' Verkörperung
etwas agressiver, als ursprünglich im Drehbuch geplant: "Sie wollten,
dass der Charakter eine Art Dandy ist, aber das wollte ich nicht," erklärt
James. "Im Geheimen habe ich rebelliert. Ich habe mit niemandem darüber
gesprochen - ich habe im Geheimen einfach beschlossen, dass dieser Typ ein
echter Mann sein soll. Ich denke, nur, weil jemand ein feiner Aristokrat
ist, macht ihn das nicht gleich zur Witzfigur. Wenn man sich Tim Roths
"Rob Roy" ansieht - er hat es geschafft, dass ein hochgradig
raffinierter Charakter, der manchmal fast verweichlicht erscheint, in
Wirklichkeit in keinster Weise verweichlicht ist, sondern ein kaltblütier
Killer und sehr männlich in jeder bösen Facette seines Wesens ist. Und
daran habe ich mich erinnert, als ich zu "Andromeda" ging. Nicht
dass man das direkt mit Tim Roths Charakter vergleichen kann. Ich muss übrigens
sagen, dass bei "Andromeda" wirklich ganz tolle Leute arbeiten.
Kevin Sorbo ist ein wirklich klasse Typ."
Eine weitere tolle Arbeitserfahrung für James war, bei dem unabhängigen
Film "Chance" mitzuspielen, den seine Buffy-Kollegin Amber Benson
geschrieben und produziert hat, und außerdem auch noch selbst Regie führte.
"Es war einfach genial," erzählt James, der vor kurzem selbst
eine Rohfassung des Films sah, für den man momentan noch ein Publisher
sucht. "Amber schafft es, in ihren Skripten zur selbsen Zeit bissig und
liebenswert zu sein, was wirklich eine Gabe ist. Ich bin wirklich glücklich
und stolz darüber, ein Teil ihres ersten Filmes zu sein."
James frühe Karriere beinhaltete allerdings auch einige eher weltliche
Anstellungen. "Mein schlimmser Job? In einem Krankenhaus das Geschirr
zu waschen. All das Geschirr kam immer auf einmal nach unten, und dann
standen da ungefähr 19 Wagen voll mit schmutzigem, warmen Geschirr. Oder
einfach nur den Getränke-Wagen für das Krankenhaus durch die Gegend zu
schieben, oder frische Milch zu verteilen, die sowieso keiner trinken würde,
beziehungsweise die warme Milch dann wieder von den Patienten, die an die
Maschinen angeschlossen waren, einzusammeln. Oh Mann, das war ein harter
Job. Ich hatte schon viele schlimme Jobs." Er hatte auch schon einige
Abenteuer zu bestehen. "Ich hätte nicht an all diesen Orten sein müssen,
die ich mir selbst ausgesucht habe. Aber trotzdem bin ich dorthin gegangen.
Aber irgendwie habe ich mich auch selbst immer wieder rausgezogen, weil ich
einfach wusste, dass ich mich selbst retten musste, weil ich ja schließlich
Schauspieler werden wollte."
Mit seinem kalifornischen Akzent und seinem fröhlichen Auftreten erscheint
James im Wirklichen Leben völlig anders, als der scharfzüngige englische
Vampir, den er auf dem Fernsehbildschirm darstellt. Was muss er alles
hineinstecken, um diese Fernsehrolle zu spielen? "Es ist instinktiv und
es ist nicht geplant. Ich reagiere einfach nur auf die Worte, die ich im
Skript lese. Man liest es und es braucht viel Arbeit, alles völlig zu
verstehen was auf diesen Seiten steht, und das dann auch wirklich auf die
Filmrolle zu projezieren. Aber genau das ist meine Arbeit, das ist das, was
die Schauspielerei ausmacht. In der Close-Up Einstellung, das habe ich
gelernt, liegt zum Beispiel eine ganz besondere Ausdrucksfähigkeit. Man
kann 'Ich werde dich töten' in einer solchen Art und Weise sagen, dass es
bedeutet 'Ich liebe dich,' und du kannst 'Ich liebe dich,' so sagen, dass es
"Ich werde dich töten" bedeutet. Das ist der Teil, den ich
einbringe - es ist das, was man in meinen Augen sieht. Aber was der
Charakter durchmacht, die Handlungen und wie er sich verhält, all diese
Dinge, die mehr als alles andere eine Rolle definieren, das sind die Worte.
Und die sind nicht von mir.
"Ich habe gelernt, dass die Kamera etwas Reelles sehen will, das zum
allerersten Mal passiert, sie will etwas Reelles dokumentieren. Und daher
dient mir mein Instinkt, die Dinge zu planen, nicht wirklich bei meiner
Arbeit beim Film. Bei meiner Arbeit auf der Bühne ist das zwar sehr
hilfreich, aber für den Film wirkt es zu künstlich. Und daher ist das
beste, was mir bei den Dreharbeiten passieren kann, dass Dinge geschehen,
auf die ich mich nicht einstellen kann. Ich nenne das "meinen
Spielplatz". Es sind einfach die Umstände der Situation. Wir wollen
von den Zuschauern, dass sie all ihre Zweifel verdrängen, und bei der
Arbeit ist es für uns ganz ähnlich. Auch wir verdrängen unsere Zweifel
und wenn man sich dann einmal in diese neue Realität hineingefunden hat,
dann kann man keine Fehler mehr machen. Es geht nicht darum, etwas zu
planen, weil man irgendwo in seinem kleinen kranken Kopf wirklich dort ist.
Du bist wirklich dort und du bist wirklich Spike. Und das ist genau das, was
ich versuche.
Quelle: Abbie Bernstein für BuffyMagazin, UK Version, September 2002
Übersetzung: liv
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