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Culttimes - Mai 2002 - Translation


Obwohl er ja eigentlich tot ist, hat Spike in der aktuellen Buffy-Staffel eine Menge erlebt. Sein Alter Ego James Marsters ist ebenfalls extrem beschäftigt und berichtet uns über seine Pläne zur Übernahme der Weltherrschaft.
Es mag seltsam erscheinen, dass eine Serie mit einem Namen wie Buffy The Vampire Slayer die tiefen philosophischen Themen des Lebens anspricht. Es mag noch seltsamer erscheinen, das im Zentrum dieses moralischen Dilemmas ein zwei Jahrhunderte alter, blondierter, punkiger Vampir namens Spike steht. Aber Buffy nimmt diese schwierigen Themen tatsächlich mit dieser Figur in Angriff. Kann sich ein brutaler Mörder wirklich ändern? Kann ein Monster erlöst werden? Kann sich ein Wesen ohne Seele verlieben? Die Antworten sind nicht einfach zu bekommen, aber der Schauspieler James Marsters hat eine etwas einfachere Einstellung zu den Motivationen seiner Figur.

„Er versucht nur, bei Buffy zu landen.“ Sagt Marsters und lacht. „Er ist in sie verliebt, und ist als Folge daraus mit Situationen konfrontiert, in denen Gutes geschieht; Situationen, in denen Menschen einander nicht misshandeln, Situationen, in denen Menschen einander tatsächlich helfen. So sieht er Dinge, die er lange nicht gesehen hat. Und oft denkt er, dass sie lächerlich sind, aber oft findet er das auch nicht, und so, ja, muss es einen Einfluss auf ihn haben. Was er tatsächlich daraus lernt, hängt vom Einzelfall ab. Man kann daraus auch die völlig falschen Dinge lernen. Aber er wird definitiv von seinem Umfeld beeinflusst, wie wir alle.“

Obwohl Spike – und seine Beziehung zu seiner ehemaligen Erzfeindin Buffy – zurzeit das Zentrum der Geschichte bildet, war der ursprüngliche Plan für die Figur, in nur fünf Folgen zu erscheinen und dann getötet zu werden.

„Als ich zu der Serie kam,“ erklärt er, „gab es anscheinend viele Reaktionen vom Sender, und die Leute sagten Dinge wie ‚Gebt ihm seine eigene Serie’, und blablabla – solche heiße Luft wird in Hollywood ununterbrochen ausgestoßen. Und damals habe ich gesagt: „Alles, was ich will, ist ein guter Body Count und ein guter Tod.“

Die Sache mit dem Body Count hat Spike erfüllt, aber er schaffte es, dem Tod von der Schippe zu springen; die Popularität der Figur hielt Marsters für die gesamte zweite Staffel bei der Serie, und nach einem einzigen Gastauftritt in der dritten Staffel spielt er seit der vierten Staffel als Mitglied der regulären Cast mit. Dieser neue Status brachte allerdings seine eigenen Probleme mit sich: Wie konnte eine böse Figur in die Serie eingepasst werden, ohne der zentrale Bösewicht zu sein?

Ich hatte keine Ahnung davon, was sie machen wollten,“ sagt Marsters, „ehrlich gesagt habe ich es für unmöglich gehalten. Aber ich dachte mir ‚Die sind echt gut, und das Geld stimmt auch’. Tatsächlich habe ich einen schlimmen Fehler gemacht – na ja, so furchtbar war er nicht, aber ich habe dabei viel darüber gelernt, wie es an einem Set in Hollywood zugeht. Ich hatte nämlich den Eindruck, dass ich zu so einer Art bescheuertem Nachbar gemacht werden sollte, und das wollte ich nicht, ich fand nicht, dass das noch die Figur war, für die ich einen Vertrag unterschrieben hatte. Das hatten sie überhaupt nicht vor, aber es fällt einem ebenfalls schwer, sich klar zu machen, dass am Set die Informationen nicht so einfach weiter gegeben werden. Man kriegt irgendwann sein Skript und zieht das dann irgendwie durch. Ich hatte mein Skript aber noch nicht, ich kannte die Geschichte nicht, niemand hat mir irgendwas gesagt. Ich ging zu einer Kostümprobe, und sie zogen mir die Bermudashorts, Stiefel und das Hawaiihemd an und machten ein Polaroid davon. Ich fühlte mich wie ein Hund an der Leine. Ich hatte gedacht, dass ich bei einem künstlerischen Projekt mitmachen würde, und dann so etwas. Und dann habe ich mich gehen lassen und im Make-Up-Trailer meine Meinung gesagt, und habe bei der Gelegenheit natürlich herausgefunden, dass es am Set viele Augen und Ohren gibt, und das Ganze wurde brühwarm meinem Boss [Joss Whedon] weiter erzählt, der extrem sauer war, dass ich ihm das nicht selbst gesagt hatte. Ich hatte vergessen, wie viel Glück ich gehabt hatte, und ihm nicht vertraut, und er hatte Recht.“

Mittlerweile hat Marsters gelernt, etwas mehr Vertrauen in Whedons Visionen zu haben, obwohl er diese anscheinend nicht kennt und nicht einmal darüber nachdenken will, was er machen würde, wenn es seine Serie wäre. „So denke ich überhaupt nicht,“ erklärt er, „ich bin doch ein Fan. Ich warte einfach ab, was passiert. Ich will es gar nicht steuern.“ „[Joss Whedon] hat mich in jeder Staffel durchgehend überrascht und erschreckt.“ fährt Marsters fort, „und jetzt bin ich begeisterter als jemals zuvor. Jetzt, da ich auf diese [siebte] Staffel zugehe, bin ich aufgeregter und verängstigter als jemals zuvor.“

Der Erfolg von Buffy und seine zunehmende Beliebtheit in der Serie haben Marsters den Luxus ermöglicht, wählerisch zu sein, wenn es darum geht, welche Arbeit er in der kurzen Sommerpause annimmt. „Es ist schön, in der Situation zu sein, dass man seine Entscheidungen nicht am Geld ausrichten muss“ sagt er. „Dann kann man sich Rollen wirklich ansehen. Es gibt eine Rolle, von der ich gerade beschlossen habe, nicht einmal für sie vorzusprechen, das wäre ein Typ gewesen, dem man wirklich abnehmen muss, dass er eine Frau ist. Und er ist ein Mörder, ein interessanter Psychopath, es ist eine tolle Rolle. Aber ich habe argumentiert, dass die Maßstäbe dafür bereits mit The Crying Game festgelegt wurden. Und wenn man mit diesem Film nicht Schritt halten kann, hat es für einen Schauspieler auch keinen Sinn, diese Art Rolle zu probieren. Es wäre ein relativ großes Projekt gewesen, und es sah wie eine große Chance aus, aber gleichzeitig fand ich es nicht richtig. Es hat sich gut angefühlt, in der Position zu sein, das sagen zu können. Sie haben mich für verrückt gehalten.“

Statt dessen konzentriert sich Marsters dieses Jahr auf seine gerade beginnende Musikkarriere. Obwohl er schon eine ganze Weile als Solokünstler singt, und sein Talent als Sänger in der Musicalfolge von Buffy der Weltöffentlichkeit vorstellen konnte, wagt er diesen Sommer den Absprung: Er gründet mit seinem Freund Charlie DeMars die Band „Ghost Of The Robot“.

„Ich habe endlich das Gefühl, dass ich Musik anbieten kann, die das Interesse der Leute daran wert ist“ sagt Marsters. „Viele Leute haben mich gefragt, wann ich ein Album zusammenstelle; ich habe immer gesagt, dass ich noch nicht bereit bin, aber jetzt denke ich endlich, dass ich es bin. Hauptsächlich, weil Charlie schon 45 Lieder fertig hat, ich habe erst fünf, aber zusammen haben wir das Material für mindestens ein Album.“

Dieses erste Studioalbum wird bald veröffentlicht werden, Marsters und DeMars schneiden in den kommenden drei Wochen die Lieder zusammen und erwarten eine Veröffentlichung bis Mitte Juni. Im selben Monat werden sie auch nach Frankreich reisen und in Paris vor 400 Leuten auftreten.

Marsters’ Aktivitäten während der Sommerpause im letzten Jahr ließen ihn schon einmal das Dasein als Rockstar antesten, als der in der ersten Folge von VH1s Strange Frequency, einer Art Kreuzung zwischen Behind the Music und The Outer Limits, auftrat. Seine Figur, Mitch Brand, war ein einfacher Gitarrentechniker, der zum Rockstar wurde, nachdem er auf einen diabolischer Talentsucher, gespielt von Roger Daltrey (The Who), hereingefallen war.

„Ich bin immer ein großer Fan der Twilight Zone gewesen“ sagt Marsters. „Ich mag es, wenn die Handlung so stark verdichtet wird, dass sie fast zum Gedicht wird. Die Geschichten der Twilight Zone könnte man leicht auf 90 Minuten ausdehnen, aber sie werden in nur 26 erzählt. Und so bewegt sich alles wirklich schnell, und das ist sehr spannend. Und dasselbe kann man auch über Strange Frequency sagen, es war eine Rock’n Roll-Version der Twilight Zone. Es hat einfach Spaß gemacht, eine Figur mit einer interessanten Entwicklung zu spielen, von jemand, der seine Stärken nicht kennt, zu jemand, der sie nur scheinbar kennt.“ Während er in Vancouver war, bot sich Marsters, einem Star Trek-Fan, zusätzlich die Gelegenheit, bei Gene Roddenberrys Andromeda mitzumachen. „Ich war bei Buffy noch in Vertragsverhandlungen“ erklärt er, „und es sah wirklich so aus, als würde es nicht klappen. Und ich wollte so viel Geld wie möglich verdienen, also reiste ich um die Welt und gab Autogramme, und nach Kanada musste ich sowieso, um das VH1-Special zu drehen [Strange Frequency]. Und dann kam Andromeda und bot mir unglaublich viel Geld an, also sagte ich: „OK, fliegt mich durch den Weltraum, alles klar.“

Seine Rolle bei Andromeda als ein dekadenter, von Nietzsche beeinflusster Anführer, wurde so gestaltet, dass er wiederkehren könnte, und Marsters und der Regisseur Kevin Sorbo hoffen, dass das in der dritten Staffel passieren wird, wenn Marsters’ Zeitplan bei Buffy nicht in den Weg kommt. Das ist jedoch ein Übermaß an Arbeit im Science Fiction-Bereich für einen Schauspieler, der außerhalb seiner Arbeit bei Buffy relativ unbekannt ist, und Marsters gibt zu, Angst davor zu haben, dass man ihm zukünftig immer mehr solche Rollen anbietet.

„Ich weiß nicht, was ich machen soll“ sagt er lachend. „Ich denke mir ‚Mach keine Science Fiction mehr, James’. Meine größte Sorge ist, dass mir Joss [Whedon] eine weitere Rolle anbietet, und ich nicht Nein sagen kann. Und er macht gerne Genresachen. Ich glaube nicht, dass er demnächst Filme macht, in der normale Leute in der Küche sitzen und reden. Was alle anderen betrifft, werde ich es wohl vermeiden können, aber ihm werde ich nicht absagen können. Aber andererseits hat das ja alles nichts mit der Bühne zu tun, und gerade im Moment interessiere ich mich sowieso am meisten für Musik.“

„Ich bin übrigens enttäuscht, dass mir Joss [Whedon] nicht sechs Wochen Zeit gibt, damit ich bei Hamlet mit ihm in der Titelrolle Regie führen könnte“ verrät Marsters. „Er wäre ein guter Hamlet. Um Hamlet gut zu machen, muss man in der Lage sein, den Alterssprung zu schaffen, weil Hamlet als 17jähriger anfängt und mit 33 oder so stirbt. Das ist eine von Shakespeare konstruierte Illusion, denn das Stück deckt nur etwa dreieinhalb Jahre ab, aber es verfolgt die Entwicklung vom Jungen zum Mann. Wie wird jemand vom Kind zum Erwachsenen, und kommt dabei mit der gesamten Scheißwelt zurecht? Es ist ungefähr das Gleiche wie in Buffy, und es ist das ideale Stück für Joss. Meines ist Macbeth, seines ist Hamlet.

Ich habe ihn schon die Rolle lesen gehört, und er ist wirklich gut, um Meilen besser als Kenneth Branagh. Schockierend ehrlich, erschreckend ehrlich, lustig, geistreich. Ein junger Mann, der versucht, zurecht zu kommen, der sagt ‚Hey, wisst ihr was, diese Welt ist doch völlig verrückt. Ich glaube wirklich nicht, dass es so weiter gehen kann’ Und die Sache ist, dass er genau jetzt den Alterssprung schaffen kann. Wenn man einen zu alten Darsteller hat, wird es zu einem Stück über einen alten Kerl, der nicht von seiner Mutter loskommt, der quengelt, und das ist furchtbar. Und ich habe versucht, ihm klar zu machen, dass er mindestens drei Versuche brauchen wird, um Hamlet richtig hinzukriegen, weil es niemand beim ersten Mal gleich versteht. Also muss er jetzt anfangen.

Ich habe meine Ansprüche deutlich verkleinert – für Hamlet braucht man normalerweise drei Monate – aber ich sagte ‚Ich habe alles geplant, sechs Wochen. Alles, was ich will, sind sechs Wochen!’ Und er sagte: ‚Sechs Wochen?!’ Ich glaube, er hat gesagt ‚Denk daran, dass ich auch ein Privatleben habe, James.’ „

Marsters’ eigenes Lieblings-Shakespeare-Projekt ist Macbeth, ein Stück, von der er hofft, dass er eines Tages eine Kinofassung machen kann. „Selbst als Independent-Produktion brauche ich sechs bis acht Millionen dafür“ sagt er. „Ich fühle mich bereit, anzufangen, wenn mir nur irgendjemand das Geld geben würde. Ich hätte auch den Luxus, dass ich mir mindestens fünf Jahre Zeit nehmen könnte. Ich glaube, es wird klappen. Es ist natürlich ehrlich gesagt nicht unbedingt die schlaueste Entscheidung von mir, meinen ersten Film in einem solchen Umfang produzieren zu wollen. Ich meine, ich muss dieses Jahr unbedingt noch etwas schreiben, in dem solche Kleidung vorkommt.“

Tatsächlich hat er starkes Interesse daran, auch Produzent zu werden. Als Mitbegründer von erfolgreichen Theaterprojekten in Chicago und Seattle hat er viel Erfahrung darin, für die Bühne Regie zu führen und zu produzieren, etwa in Stücken wie Life is a Dream, A Phoenix Too Frequent und Criminals in Love. Diese Erfahrungen will er mit dem Filme machen erweitern.

„Im Grunde geht es immer darum, Geschichten zu erzählen“ sagt er. „Man fängt als Schauspieler an, dann entwickelt man sich zum Regisseur, und man beginnt etwas mehr davon zu verstehen, wie der ganze Mechanismus funktioniert, den man braucht, um die Geschichte zu erzählen. Und dann, wenn man will, geht man auf eine noch höhere Stufe und wird Produzent, und man beginnt, darüber nachzudenken, wie man die Grundbausteine zusammen fügt. ‚Wer wäre ein gute Lichtdesigner, um mit diesem Regisseur zusammen zu arbeiten?’, ‚Wer ist der beste Regisseur für dieses Stück?’, und so weiter. Dass man für Filme so viel Geld braucht, ist erschreckend, aber offen gesagt wird das jeden Tag einfacher. Digitale Filmtechnik und das Internet, diese Kombination ist einfach großartig, weil man seine Sachen über das Internet publik machen kann und viel einfacher erste Aufmerksamkeit bekommt. Ich bin im Theater schon Produzent, Regisseur und Schauspieler, und ich würde das gerne wieder im Theater machen, aber auch im Filmgeschäft. Ja“ schließt er mit einem Lachen ab, „ich will alles.“


Quelle: Cult Times #80
Übersetzung: Disharmony für Buffyverse.info