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Space View - Teil 2 - Januar 2002
Welche ist Deine Lieblingsepisode von "Buffy"?
Diejenige, vor der ich Angst habe. Die eine Folge aus der 5.
Staffel z.B., in der wir in der Zeit zurückgehen und
William als Poet sehen, der wahrhaftig nicht sehr männlich
wirkt.
Aber es gibt auch viele Aktionszenen in der
5. Staffel?
Ja, wir mussten z.B. einmal 15 Stunden lang für einen Kampf
in der U-Bahn drehen. Und Steve, der das Stunt-Double von
Spike spielt, hatte besonders viel zu tun.
Machst Du die meisten deiner Actionsquenzen,
also Stunts, selbst?
Nein, so ungefähr 60% sind von mir. Ich habe mir da so
einen eigene Regel aufgestellt: So lange Spikes Füsse auf
dem Boden bleiben, bin ich es. Wenn die Füsse den Boden
verlassen, dann handelt es sich um Steve. Wird Spike gegen
eine Wand geworfen oder einer Tür oder er fällt aus
grosser Höhe auf den harten Boden oder aus dem Fenster
heraus, dann ist es Steve. Auch wenn ich trainiert habe und
ganz gut im Beissen bin, ist Steve ohne Zweifel der beste
und verrückteste Martial-Arts-Kämpfer in Hollywood. Er war
der führende Darsteller von Kaukasieren in Hong Kong. Er
ist ein Irrer. Es ist ihm völlig egal, ob er mal was
abkriegt-mir eigentlich auch, aber ich werde eher mit
Samthandschuhe angefasst: "Oh, ein Kratzer,James ! Ruft
die Sanitäter!"
Sie brauchen Dich eben noch...
Ja, ich weiss, aber die machen aus jeder Mücke einen
Elefanten. Und man fühlt sich nicht sehr männlich, wenn fünf
Leute angestürmt kommen, um dich zu retten.
Gibt es eine Anekdote am Set, die Du nie
vergessen wirst?
Keine Anekdote, aber was sich bei mir seit "Buffy"
wirklich ins Gedächnis eingebrannt hat ist: "Krieg
deine Zeilen auf die Reihe und mach weiter." Es ist ein
verschwommener Traum aus Hetzerei, nur um alles zu schaffen.
Ernsthaft: Oft gleitet bereits der Vortag in einen
undurchsichtigen Nebel ab. Alles an was Du denken kannst,
sind der 15-Stunden Tag, der vor dir liegt und wie du ihn
bloss bewältigen wirst. Es ist eine unglaubliche
Herausforderung, einen 53-minütigen Film in acht Tagen
abzudrehen und das neun Monate in Folge. Und glaub mir, für
Schauspieler ist es noch eine kleinere Angelegenheit als für
andere Leute der Show. Logistisch ist es ein Horrortrip. Es
ist für alle eine grosse Herrausforderung und wir fragen
uns manchmal: "Was für einen Dämon hatten wir diese
Woche nochmal? Was passiert jetzt eigentlich?" Und das
liegt nicht daran, dass es uns langweilen würde. Das ist
alles nur aus Schlafmangel, denke ich...
Es ist ja auch so, dass nicht chronologisch
gegreht wird und Du immer nur auf den Augenblick fokussiert
bist und das Kurzzeitgedächnis beanspruchst.
Genauso ist es.
Würdest Du gerne mal eine Folge Regie führen?
Oder ist das etwas, das Dich nicht sonderlich interresiert?
Ich würde sehr gerne Regie führen. Ich inszeniere auch
sehr gerne. Am Theater in Chicago und in Seattle habe ich es
gemacht und es hat viel Spass gemacht.
Im "Mercury"?
Genau!
Bist du ein großer "Orson
Welles"-Fan und hast deshalb den Namen
gewählt?
"Mercury" hieß eine Theater Company während des
Zweiten Weltkriegs in Brighton, England. Es war die Gruppe
von Christopher Fry und T S. Elliot. Sie versuchten, die
Sprache im Theater wiederzuerwecken und besannen sich zurück
Auf Shakespeare. T. S. Elliot wurde berühmter als Fry, aber
beide waren sehr erfolgreich in ihrem Rückschritt zu einer
reichen, dichten, metaphorischen Sprache. Sie führten ihre
Stücke in zerbombten Kirchen auf. Sie waren radikal, aber
verdammt cool. Deshalb nannten wir uns nach ihnen
"Mercury". Aber natürlich auch als Verweis auf
Orson Welles, denn Welles wiederum bezog sich auf sie, als
er das "Mercury"-Theater eröffnete.
Arbeitest Du noch immer mit diesem Ensemble
zusammen?
Nein, mittlerweile geht leider jeder seinen eigenen Weg.
Amber Benson (Tara) hat erzählt Ihr beide
eine eine kleine Independent-Filmproduktion sozusagen
co-finanziert habt.
Sie ist zu freundlich denn eigentlich hat sie es
finanziert...und geschrieben, Regie geführt, selbst
mitgespielt, produziert - und ich finde es wird wirklich
gut. Echt, das Drehbuch hat mich umgehauen. Die Sache
beginnt als Liebesgeschichte und du denkst alles nimmt
seinen bekannten Lauf. Aber am Schluss gibt es eine Wendung
und es wird richtig süss und tiefsinnig.
Wie groß ist Dein Part?
Ziemlich groß: Die Liebesgeschichte findet zwischen ihr und
mir statt.
Du spielst in dem Film mit?
Ja, als Nebendarsteller. Sie ist Hauptdarstellerin, der Film
heißt "Chance" - das ist der Name ihres
Charakters.
Und Du spielst Simon?
Richtig. Chance ist eine unabhängige, junge Frau, die sich
durch alle
Betten schläft und Simon versucht, ihre Aufmerksamkeit zu
erlangen.
Wann wird der Film vorgestellt?
Keine Ahnung. Sie hat ihn digital gedreht, also ist er
vielleicht demnächst schon fertig. Digitales Filmen bietet
jungen Filmemachern die Möglichkeit, ihre Projekte zu
verwirklichen, denn es ist so viel leichter in der
Nachbearbeitung. Die Kameras sind viel einfacher zu
handhaben Zelluloid ist so ein veralteter, archaischer
Weg...
Hast du ein eigenes Digital-Projekt?
Nein, Ich konzentriere mich hauptsächlich auf
"Macbeth".
Ich hörte davon. Wie läuft es damit? Und
welche Art von Film soll es werden, ein zeitgenössischer?
Ich mag es nicht, Shakespeare aus seiner Zeit herauszulösen.
Shakespeare war geschichtsorientiert seine Stücke verteilen
sich über 700 Jahre und mehr. Daher hatte er eine grosse
Bandbreite an Zeitpunkten und Orten, wo er seine Stücke
ansiedeln konnte. Und es gibt stets sehr gute Gründe dafür
wann und wo ein bestimmtes Stück spielt, er war hier sehr
genau. Wenn du dies änderst, musst du sehr vorsichtig sein.
Das heißt, die "Romeo und
Julia"-Verfilmung mit Di Caprio magst du nicht?
Nein, dieser Film war brillant. "Romeo und Julia"
ist eine Geschichte über Liebe, die mit Füssen getreten
wird, es ist eine Tragödie, es hat etwas von Blumen, die
von Menschen in den Staub getreten werden. Es soll kein Spaßfilm
sein. Die meiste Zeit schreien sich die, Leute an: "Ich
hasse Dich ich werde Dich töten!" Und dies alles nach
L. A. zu transportieren war perfekt... Und Kanonen statt
Schwerter zu verwenden. Darum geht es in Romeo und Julia. In
den zehn Jahren, in denen das Stück seinerzeit geschrieben
worden wurde, starben zehn Prozent der Mittel- und der
Oberschicht auf Grund einer neuen Art von Schwert. Es war
wie eine neue Schusswaffe. Es war eine Technologie eine neue
Art Metall, das sehr dünn geschmiedet werden konnte. Man
musste nicht reich sein, um so eine Waffe zu besitzen. Es
war nicht länger das Privileg der Reichen, Leute zu töten,
denn die Waffe war billig zu erstehen. Shakespeare verlor
Freunde um sich herum. Shakespeare verlor Marlowe ... Darum
geht es in dem Stück: He, die Gesellschaft geht den Bach
runter! Der Film hat dies sehr gut eingefangen. Der
Hintergrund wird durch eine sehr gewalttätige Gesellschaft
gebildet. Aber sie waren auch behutsam um es gut zu machen.
Ganz oft wird die Handlung einfach in die moderne Zeit
versetzt ... Ich hörte beispielsweise, das jemand
"Macbeth" in der Wallstreet drehen wollte! Völlig
absurd!
Wird es demnächst weitere Filme mit dir
geben?
Nein. Ich habe gerade dieses VH1-Movie abgedreht and nun
geht es zurück ans "Buffy"-Set.
Zehn Monate, sieben Tage die Woche...
Fünf Tage die Woche mit 20 Stunden am Tag. Die Arbeit endet
um 4:30 Uhr in der Früh am Samstag und heginnt um4:30 Uhr
am Montag das heißt, man hat anderthalb Tage Pause.
Magst Du Fantasy und Sci-Fi?
Sci-Fi ist gut, denn du kannst deine Botschaft durch die
Hintertür in die Serie hineintransportieren. Das mag ich an
"Buffy": Man denkt, es geht nur um Vampirkerle,
aber eigentlich geht es um das Erwachsenwerden. Wir reden über
Dinge, die sehr schmerzvoll sind, sehr nah an einen
herankommen. Die meisten Leute nehmen tiefe, tiefe Wunden
aus dieser Zeit mit oder aber grosse Triumphe. Entweder
entdeckst du das Beste in dir oder du versagst darin. Joss
(Whedon) kann auf sehr aufrichtige und direkte Art über Sex
sprechen! Über Tod, über Zurückweisung und Demütigung,
und am Ende einfach behaupten, dass es doch nur eine
Vampirserie wäre!
Quelle: Space View 1/02 / Teil 2
Das Interview führte John Prate
Transcript: merana für Buffyverse.info
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