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-- Demon Lover --
März 2002 - Starburst Magazine
Ursprünglich sollte er ein ganz normaler Bösewicht nach dem Motto
„heute da, morgen vom Pflock durchbohrt“ sein. Aber vier Jahre später
ist er Buffys neuester Liebhaber, was ein Zeichen für die Reife der Serie
ist, wie der allseits beliebte Star James Marsters erklärt...
Buffy – im Bann der Dämonen ist nicht mehr das, was es mal war. Während
die sechste Staffel voranschreitet, wird zunehmend deutlich, dass die Serie
erwachsen geworden ist. Buffy ist längst nicht mehr ein sorgloser Teenager
in den Fängen seiner ersten Liebe, jetzt ist sie eine Frau (na ja, fast)
mit den Pflichten und Sorgen einer Erwachsenen. Und diese Veränderung wird
von ihrer neuesten Beziehung widergespiegelt, einer deutlich körperorientierten
Verbindung mit dem kastrierten Vampir Spike – so erklärt das der Mann,
der seine gebleichten Haaren auf dem Kopf trägt...
Warum glaubst du läuft Buffy so gut?
Durch die Metapher von Dämonen und Vampiren werden die ganz alltäglichen
Probleme repräsentiert, denen sich jeder von uns in seinem Leben stellen
muss, während wir versuchen, das Beste aus uns zu machen. Inzwischen
versuchen wir eben auch, erwachsenere Themen zu behandeln. Joss Whedon hat
es Marti Noxon überlassen, die Geschichte voranzutreiben. Und ihr Vorrat an
Erfahrung - auf den sie als Autorin immer wieder zurückgreift - enthält
auch Themen, die sich auf junge Menschen in ihren Mitt-Zwanzigern beziehen.
Es ist toll, dass, obwohl Joss bei der Serie noch immer sehr viel zu sagen
hat, nun auch eine weitere Stimme da ist, die sich zu Wort meldet und die
Metaphern, die die Serie zu bieten hat, auf ihre ganz eigene Weise nutzt.
Gerade im Moment sehe ich viele Drehbücher, die sehr nach Marti aussehen,
ihr sehr ähneln. Nur sie könnte das schreiben. Ich glaube, einige der
Geschichten um Willow – das vermute ich jetzt nur – stammen von Marti.
Ich glaube, sie kennt jemand, dem so etwas passiert ist, denn diese Szenen
sind so lebensecht, so gefährlich, beunruhigend und schockierend.
Findest du die Serie immer noch so cool wie am Anfang?
Absolut! Was ich daran liebe, ist, dass sie Buffy – im Bann der Dämonen
heißt. Mit dem Namen bettelt sie geradezu darum, nicht ernstgenommen zu
werden. Der Name der Serie ist wie eine Panzertür, auf der steht „Zutritt
nur für coole Leute“. Wer die Dinge wörtlich nimmt, wird eine Sendung
mit dem Namen Buffy – im Bann der Dämonen niemals einschalten. Es ist ein
herausfordernder, auffälliger Titel. Wir sind eine Nischensendung mit einem
Titel, der gemacht wurde, um die Leute abzuschrecken.
Und dennoch hat die Serie die Möglichkeit, wichtige Themen anzusprechen,
ohne, dass die Leute das merken?
Mit welchen Themen müssen sich junge Erwachsene im heutigen Amerika
auseinandersetzen? Drogenabhängigkeit ist ein wichtiges Thema und etwas,
das die ganze Zeit passiert. Künstler versuchen seit Jahren, Aufmerksamkeit
für dieses Thema zu wecken, und wenn sie es tun, nennt man sie subversiv.
Deshalb ist Buffy im besten Sinne des Wortes subversiv. Der Sender bei dem
wir jetzt sind, Paramount [UPN], ist offener für erwachsene Themen. WB
zieht ein jüngeres Publikum an, sie folgen sehr erfolgreich dem Beispiel
von Fox, aber das gab eben auch uns einen jugendlicheren Rahmen.
Und gerade, als Buffy sich etwas verändern musste, um erwachsenere Themen
ansprechen zu können, und zu einem Zeitpunkt, als das zu Kontroversen
zwischen WB und der Serie hätte führen können, sind wir bei einem neuen
Sender gelandet, der uns gegenüber völlig offen ist. Die Serie kann sich
selbst neues Leben geben, und einfach den Figuren folgen, wenn sie sich
weiter entwickeln. Vor kurzem habe ich zu Joss gesagt: „Buffy verändert
die Welt, einen Sender nach dem anderen.“
Könnte Buffy in irgendeiner Form die Ereignisse vom 11. September
aufgreifen?
Das ist eine sehr interessante Frage. Das High School Massaker von
Collumbine haben die Autoren jedenfalls aufgegriffen. Aber das ist keine
Garantie dafür, dass sie den 11. September ansprechen wollen. Und man muss
auch sagen, dass die ganze Sache mit Collumbine sehr viel mit unfreiwilligem
Zusammentreffen zu tun hatte, und weniger damit, dass sie ein aktuelles
Thema behandeln wollten. Ich glaube, niemand im Autorenteam zielt darauf ab,
Aktuelles anzusprechen, aber die Situation nach dem 11. September geht weit
über „aktuell“ hinaus, sie ist ein Wendepunkt für unser Land. Also ja,
ich glaube schon, dass das auf irgendeine Art behandelt werden wird.
Wie war es, als man dich bat, eine Liebesszene nackt zu drehen?
Es war so komisch. Ich kenne diese Leute jetzt seit fünf Jahren und sie
haben peinlich berührt auf meine Socke gestarrt! Nein, ernsthaft, es war
total cool. Ich habe kein großes Problem damit, nackt zu sein. Um ehrlich
zu sein, war ich sogar bei meinem Debüt als professioneller Schauspieler
nackt, und daher hat mir das damals schon jegliche Scham ausgetrieben. In
The Tempest von Shakespeare im Goodman Theatre in Chicago wurde ich nackt an
ein großes Metall-Rad gebunden!
War es denn anders, im Fernsehen nackt zu sein, als im Theater?
Es ist nicht einfach, sich im Schlamm des Serienfernsehens einen Funken Würde
zu bewahren. Im Theater gibt es eine feste Methode, wie man mit Nacktheit
umgeht: Man ist bis zur Kostümprobe voll bekleidet, dann trägt man Unterwäsche
und erst in der Generalprobe ist man tatsächlich nackt. Im Fernsehen ist für
so etwas keinerlei Zeit. Und ich verstehe das vollkommen, wenn ich Produzent
wäre, würde ich genauso handeln. Aber das macht es ziemlich schwierig, an
solche Szenen heranzugehen. Glücklicherweise haben Sarah Michelle Gellar
und ich Vertrauen zueinander und eine Freundschaft aufgebaut, also können
wir uns aufeinander verlassen. Und sie ist sehr geduldig mit mir gewesen,
denn sie hatte bereits Erfahrung mit solchen Szenen.
Was hat sie dir geraten?
Sie hat mit beigebracht, dass Liebesszenen so ähnlich wie Kampfszenen sind:
Man bewegt sich auf einer Ebene des Irrealen, die man mit normaler
Schauspielerei nicht meistern kann, und es ist am besten, wenn man seinen
Drang, zu schauspielern, unterdrückt. Wenn ein Bühnenkuss funktionieren
soll, darf man sich nicht darauf einlassen, man muss sich distanzieren und
fast gar nichts tun. Wir haben acht Versuche oder so gebraucht, und am Ende
sagte Sarah: „James, mach einfach gar nichts. Spiel so schlecht du kannst.
Denk daran, was du gefrühstückt hast!“ Und so haben wir es gedreht, und
das ist die Szene, die man im Fernsehen sehen konnte. Also ist es wirklich
ziemlich ähnlich wie die Choreographie der Kämpfe, wo man sein Inneres
unterdrückt und einfach die Bewegungen macht. Wenn man das hinter sich hat,
kann man sich wieder auf das eigentliche Schauspielern konzentrieren.
Denkst du nicht, dass solche Szenen ein bisschen zu heftig sind für Buffy?
Nein, nicht wirklich. Die ganze Sexualität wird nur angedeutet, wir machen
nichts Pornographisches und es ist auch nichts, was nicht schon vorher schon
einmal irgendwo im Fernsehen gezeigt wurde. Ich denke auch, dass es eine
verantwortungsvolle Darstellung der Sexualität eines jungen Menschen ist.
Es geht nicht nur um den Kitzel. Die Sache, die da zwischen Spike und Buffy
passiert, hat einen bestimmten Zweck. Sie drückt eine sehr schmerzhafte
Wahrheit über Buffy und ihre Entwicklung zur Erwachsenen aus. Es hat eine künstlerische
Motivation, nicht einfach, dass wir gerne nackte Hintern im Fernsehen zeigen
wollten! Wie immer versucht Joss Whedon, uns zu erschüttern: Wenn er vor
hat, Sex auf dem Bildschirm zu zeigen, wird er das Ganze so wenig gefällig
wie möglich machen.
Was hältst du von der Musicalepisode?
Bevor wie das Musical gedreht haben, hatten wir furchtbare Angst, aber
hinterher haben wir es vermisst. Wir haben uns gefragt „Mann, wo bleibt
das nächste Lied?“ Es hat sich komisch angefühlt, als wir es gedreht
haben. Wir sagten unserer Text, dann wurde die Musik eingespielt, wir sangen
Playback, und dann ging es richtig ab. Die Gefühle werden so wirklich stärker.
Und wir alle vermissen das. Wir würden es alle gerne wieder tun.
Andererseits wäre es anmaßend, das ein zweites Mal zu versuchen. Wie fügt
man so etwas in die Handlung ein? Joss hat einen Weg gefunden, dass Musical
einzufügen, was unglaublich ist, aber würde das nochmal gehen...? Aber es
wird bald mehr Musik von Joss Whedon geben. Er arbeitet gerade an einem
weiteren Musicalprojekt, ich bin mir nicht sicher, ob es für einen Film
oder für die Bühne ist, aber jedenfalls schreibt er gerade wie wild Lieder
und ist nicht zu stoppen.
Hattest du davor schon einmal in einem Musical mitgespielt?
Ja, ich hatte Musiktheater gemacht und singe regelmäßig. Für mich war es
deshalb einfacher, weil ich daran gewöhnt bin, vor Publikum zu singen. Aber
für die anderen Schauspieler war das ein völlig neues Gebiet, und wir alle
hatten Angst. Niemand war sicher, dass Joss ein Musical schreiben und dabei
Regie führen kann. Um ehrlich zu sein, glaube ich, auch er war sich nicht
sicher. Wahrscheinlich hat er wie sonst auch versucht, sich selbst Angst zu
machen. Er hat uns sehr früh einige der Szenen gezeigt, als ihm klar wurde,
dass es gut läuft, und er wollte, dass wir das wissen. Wir waren voll
dabei, und drei Tage, nachdem wir angefangen hatten, hatten alle Blut
geleckt und wussten, dass das Ergebnis toll wird. Es war der reine Spaß.
Erschreckend am Anfang, dann sehr viel Spaß.
Was wird zwischen Spike und Buffy als nächstes passieren?
Buffy ist ziemlich am Ende. Sie ist ganz weit unten - jetzt schläft sie
schon mit jemanden, der im Grunde genommen eine wirklich böse Person ist.
Ob sie nun die richtige Wahl getroffen hat oder nicht, ist schwer zu sagen.
Ich habe das Gefühl, dass Spike ein bisschen geläutert wurde, wie als ob
ihn seine Liebe zu ihr verändert, aber dann, ganz kurz nachdem sie endlich
zusammenkommen, stiehlt er sich davon während sie sich einem Dämonen-Hai
stellen muss, dem er noch Geld schuldet. Ein Kampf bricht aus und Spike verlässt
die Bühne... Nun ja, ich kenne niemanden der solche Aktionen lange bringen
könnte!
Wird es Überraschungen zum Thema Xander und Anya geben?
Es wird einer der erinnernswertesten Momente der Fernsehgeschichte werden,
wenn die beiden heiraten, was meiner Meinung nach wohl passieren wird. Ich
bin überzeugt, dass sie heiraten werden, denn so kann sie ihn für immer quälen
und foltern. Xander wird das durchstehen, aber wie alle Figuren in Buffy
muss er seinen Leidensweg bestehen. Und niemand muss mehr durchstehen als
Xander. Er ist viel mehr Widrigkeiten ausgesetzt als andere. Dennoch müsst
ihr mir glauben, dass er das durchsteht. [Anmerkung: tja, das Interview fand
offenbar vor Hell’s Bells statt…;-)]
Wie stehst du zu Willows und Taras Beziehung? Das ist ziemlich kontrovers...
Das ist etwas, was mich besonders stolz auf die Serie macht. Willows
Beziehung ist so kontrovers, wurde aber so gut in die Handlung integriert.
Es ist die Art Beziehung, die viele Leute unbedingt sehen wollten: eine
homosexuelle Beziehung, in der es nicht um Homosexualität geht, sondern
darum, dass man jemand liebt. Ich kenne keine anderen Beispiele, ich glaube,
das ist das erste. Das hat mich sehr stolz gemacht. Auch darauf, wie wir
ihre Erholung von der Sucht nach Magie darstellen. Ich finde, Drogenabhängigkeit
schädigt die Entwicklungsmöglichkeiten unseres Landes, und es wird nicht
genug darüber gesprochen. Ich bin sehr stolz, dass die Serie so ist, wie
sie ist.
Warst du geschockt als Buffy gestorben ist um die Welt zu retten?
Das war in der 100. Folge der Serie, die letzte Folge in der Joss Whedon
noch täglich am Set war. In diesem Moment wurde Buffy wirklich und
wahrhaftig erwachsen. Sie hat sich selbst geopfert, um ihre Schwester zu
retten. Ich denke, es ist wundervoll, dass Joss so die ursprüngliche
Geschichte vollenden konnte, so dass wir jetzt mit einer neuen Phase
weitermachen können. Aber das Problem ist - wie will man das noch übertreffen?
Werden wir eine weitere Apokalypse heraufbeschwören? Wer weiß! In dieser
Staffel scheint es mehr um innere Vorgänge zu gehen. Es geht nicht darum,
dass eine böse Gestalt dazu kommt und eine perfekte Situation zerstört, es
geht darum, wie die Figuren miteinander zurecht kommen.
Wird es in der zweiten Hälfte der Staffel noch weitere Sonderepisoden
geben?
Natürlich haben wir noch etwas für euch vorbereitet! Diese Serie kann
einfach nicht stillstehen. Sie verwandelt sich immer wieder in eine neue
Erfahrung für die Zuschauer. Von Staffel zu Staffel ist es nie dieselbe
Serie. Wie in einer guten Symphonie gibt es sehr unterschiedliche Momente.
Damit Joss sein Interesse an der Serie aufrecht erhalten kann, muss er die
Latte immer höher legen. Also weiß man nicht, was die Zukunft für uns
bereit hält. Gott helfe uns allen!
Kannst du nicht etwas mehr verraten?
Um ehrlich zu sein, erkundige ich mich nicht mehr danach, was passieren
wird, weil ich früher beim Spielen viel Zeit darauf verschwenden musste, so
zu tun, als hätte ich es vergessen. Es ist viel einfacher, wenn man es
nicht weiß. Generell rechnen wir mit allem. Mit wirklich allem! Buffy macht
Sachen, die sehr lange niemand mehr getan hat. Die Serie ändert ihren Stil
drei- bis viermal in fast jeder Folge – von der Farce über ein Melodrama
zum Realismus. Auf allen Ebenen wechseln wir Stilrichtungen, als würden wir
jonglieren. Ich schätze ich lobe mich da etwas selbst, aber es gibt nicht
viele Serien, in denen sich die Autoren so gut an unterschiedliche
Schreibstile angepasst haben.
Was macht deine Filmkarriere im Moment?
Ich habe mir gerade meinen neuesten Film angesehen, Chance, und fand ihn
toll. Amber Benson [die Tara aus Buffy, die das Buch geschrieben und Regie
geführt hat] hat ein echtes Gespür für Dialoge. Sie schafft es,
gleichzeitig böse und freundlich zu schreiben, das ist eine echte Gabe. Ich
war sehr glücklich und stolz darüber, bei ihrem ersten Film mitmachen zu dürfen,
und jetzt plant sie schon einen zweiten. Sie hat schon ihr ganzes Geld für
Schneidezubehör ausgegeben, aber das bremst sie nicht. In Chance darf ich
eine Figur spielen, die das genaue Gegenteil von Spike ist. Verschiedener
geht es gar nicht. Er ist irgendwie verrückt, hat ein Körpergeruchproblem.
Er versucht, es zu bekämpfen, aber nichts funktioniert. Ach ja, und ich
trage ein Kleid!
Es gibt Gerüchte, nach denen du mit dem Gedanken spielst, Buffy zu
verlassen. Stimmt das?
Das höre ich immer wieder! Es deprimiert mich wirklich. Letztes Jahr gab es
das Gerücht, dass ich die Serie verlasse, um einen Film zu machen, dieses
Jahr werde ich anscheinend umgebracht. Nichts davon stimmt. Allerdings denke
ich daran, für kurze Zeit auf die Bühne zurückzukehren. Ich finde, es ist
höchste Zeit. Ich vermisse das wirklich furchtbar. Ich vermisse, dass man
immer weiß, dass etwas funktionieren wird. Es gibt das Theater seit 500
Jahren, und es gibt feste Methoden. Das hat eine Anmut und Würde, die dem
schnellebigen Fernsehen oft fehlt. Ich vermisse es, an den Fäden einer
Handlung zu ziehen. Ich bin gerne dafür verantwortlich, ob es ein
langweiliger Abend wird oder nicht.
Quelle: Starburst No. 284
Übersetzung: Disharmony für Buffyverse.info
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